{"id":75,"date":"2006-04-21T12:58:32","date_gmt":"2006-04-21T11:58:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.visualberlin.org\/modules\/wordpress\/archives\/75"},"modified":"2006-04-21T12:58:32","modified_gmt":"2006-04-21T11:58:32","slug":"bermudavisualisten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/visualberlin.org\/?p=75","title":{"rendered":"29.09.-01.10.2005 &#8211; Bermudavisualisten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.visualberlin.org\/images\/PICT2255.jpg\" id=\"image74\" alt=\"PICT2255.jpg\" height=\"96\" width=\"128\" \/><br \/>\n&#8222;BermudaVisualisten&#8220; war ein spontan bei Kunst und Forum von berliner Visualisten organisierter Side-Event \/ Gegenveranstaltung zum INFRAME International VJ Battle, das vom 29.09. &#8211; 01.10.2005 im Kino Babylon stattfand.<\/p>\n<p>Das wahre Wesen -::- Live-Videokunst &#8211; Underground Treffen der VideoJunkies<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/bermuda.p-c-p.org\/\" target=\"_blank\">Fotoalbum des Events<\/a><\/p>\n<p>Wie jede Subkultur die Aufmerksamkeit einer kaufkr&auml;ftigen Zielgruppe weckt, so weckt auch die &#8222;VJ Kultur&#8220; das Interesse in den Medien und l&auml;sst einen wirtschaftlichen Nebenzweig entstehen. Wie bei jeder Innovation werden neue industrielle Umsetzungen geboren und neue Produkte rund um die Videokunst erscheinen auf dem Markt, was eigentlich als legitimer Prozess bewertet werden kann.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird der &#8222;VJ&#8220; jedoch durch Marketing und Werbung soweit &uuml;berstilisiert, dass man ihn und das Wesen seiner Kunst kaum noch erkennt. Der Begriff &#8222;VJ&#8220; wird auf diese Weise von seiner Kunst gel&ouml;st und zu einem lukrativen Schlagwort f&uuml;r Marketing und Werbung.<\/p>\n<p>So h&auml;ufen sich vermehrt Veranstaltungen rund um die VJ-Kultur, die als Wettk&auml;mpfe inszeniert werden. Bei einem derartigen Anlass winken dem &#8222;Gewinner&#8220; des &Ouml;fteren Preise in Form von kostspieligen Produkten der jeweiligen Sponsoren. Die &#8222;VJ-Battles&#8220; stellen atmosph&auml;risch eine Konkurrenzsituation her, bei der der Wettbewerbsgedanke das Hauptprinzip ist. Der kapitalistische Hintergrund einer derartigen Veranstaltung ist leicht zu durchschauen. Es geht bei diesen Battles nur um die Positionierung der eigenen Marke bei der Zielgruppe. &#8222;Besser sein als die anderen&#8220; \u00e2\u20ac\u201c diese Konzeption von VJ-Kultur widerspricht dem Verst&auml;ndnis von VISUAL BERLIN. Um diese Positionen zu verteidigen, schrecken einige Mitglieder des Vereins auch nicht vor unangemeldeten Spontan-Laptopjams als Form des Protestes zur&uuml;ck, wie es beispielsweise bei dem &#8222;Bermudavisualisten-Event&#8220; im Oktober 2005 der Fall war.<\/p>\n<p>Es geht uns um das Erschaffen einer gemeinsamen Kunst, um Reflexion und gegenseitige Inspiration und nicht um kalkuliertes Product-Placement, bei dem die Kunst als solche h&ouml;chstens den Anlass, nicht aber den Zweck darstellt.<br \/>\nBesonders &auml;rgerlich ist, dass schon die Ausschreibungen dieser Wettbewerbe h&auml;ufig vom v&ouml;lligen Unverst&auml;ndnis des Entstehungsprozesses von Projektionskunst zeugen. Aus einem aktuellem Anlass, dem dreit&auml;gigen &#8222;INFRAME international VJ battle&#8220; vom 29.9. \u00e2\u20ac\u201c 01.10.2005 wurden verschiedene VJ hier in Berlin deshalb aktiv.<\/p>\n<p>Das im Kino Babylon ausgetragene &#8222;Battle&#8220; trug eher die Z&uuml;ge eines Marketing-Events als die eines fairen k&uuml;nstlersichen Kr&auml;ftemessens. Bei eingehender Lekt&uuml;re des Informationsmaterials wurde schnell klar, dass der Veranstalter die Essenz der Videoprojektionskunst nicht ann&auml;hernd verinnerlicht hat. Er versuchte, sich anhand des Begriffes &#8222;VJ&#8220; ein Bild davon zu machen, dabei wurden z.B. die Informationen &uuml;ber den Beriff ungeniert und unreflektiert von WikiPedia kopiert.<\/p>\n<p>Ein weiterer Fehlversuch, den Begriff der Projektionskunst zu verstehen und zu pr&auml;sentieren, wurde durch die Koppelung des Begriffes &#8222;VJ&#8220; mit &#8222;DJ&#8220; versucht. Die das Battle begleitenden Workshops befassten sich, neben schlichter Pr&auml;sentation der Sponsor-Software ausschlie&szlig;lich mit dem Bereich des DJ-ing.<\/p>\n<p>F&uuml;r das Battle konnten die Teilnehmer nach langer Diskussion zwar ihr individuell zusammengestelltes Set-Up mitbringen &#8211; doch urspr&uuml;nglich sollten die K&uuml;nstler nur eigenes Videomaterial mitbringen. Der INFRAME Veranstalter wollte ausschlie&szlig;lich eigene Windows Rechner und die Software des Sponsors &#8222;Resolume&#8220; zur Verf&uuml;gung stellen und argumentierte mit dem Hinweis auf Chancengleichheit bei gleichem Set-Up. Offensichtlich wurde hier der Fehler begangen die Veranstaltung mit einem &#8222;DJ Battle&#8220;, bei dem die Teilnehmer auch mit den selben Plattenspielern auflegen, gleichzusetzen. Diese Einstellung ist aus der Sicht eines VJs absolut unverst&auml;ndlich. Der Computer ist nicht Handwerkzeug sondern &#8222;ein&#8220; Instrument des Projektionsk&uuml;nstlers, eine Weiterentwicklung der analogen &#8222;Lichtorgeln.&#8220; Viele Videok&uuml;nstler programmieren ausserdem ihre eigene Software, was sich auf den individuellen Stil besonders auswirkt.<\/p>\n<p>Die Kunst der Videoprojektion ist ein kreatives Zusammenspiel aus verwendetem Videomaterial, der vom K&uuml;nstler favorisierten Software, und der intuitiven Bedienung individueller Hardware. Insgesamt kann der Schaffensprozess mit dem Spielen eines Instrumentes verglichen werden, auf dem improviesiertes oder vorab einge&uuml;btes Material pr&auml;sentiert wird.<\/p>\n<p>Da wir die Veranstaltung unter dem \u00c3\u0153berbegriff &#8222;VJ-Battle&#8220; f&uuml;r den Austausch &uuml;ber und die Pr&auml;sentation von Projektionskunst f&uuml;r v&ouml;llig ungeeignet hielten, entschlossen wir uns, im Sinne eines k&uuml;nstlerischen Netzwerkgedankens eine alternative Gegenveranstaltung an, sowohl um unsere Protest kundzutun und um das soziale Gleichgewicht in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung wiederherzustellen.<\/p>\n<p>Wir wollten unter sozialen Bedingungen ein &ouml;ffentliches Jamming austragen, in dem wir unsere Kunst zeigen, sie spontan miteinander kombinieren, experimentieren, uns austauschen und gegenseitig inspirieren konnten.<\/p>\n<p>Jeder, der sich &uuml;ber unsere Projektionskunst informieren oder sein favorisiertes Videoinstrument in einen unserer Mixer einst&ouml;pseln wollte, war herzlich eingeladen. Statt Wettbewerb und tollen Preisen boten wir Austausch und Netzwerk, Antworten auf Fragen, Technik zum herumspielen und k&uuml;hles Bier.<br \/>\nAm Abend des 1.10.2005 organisierten wir ein Treffen direkt vor dem Kino Babylon, an der S&uuml;dseite des Rasendreiecks vor der Volksb&uuml;hne, im Kiezdialekt \u00e2\u20ac\u017eBermudadreieck&#8220; getauft, und besorgten uns Strom aus dem Caf\u00c3\u00a9 direkt nebenan. Da es an dem Abend regnete, durften wir gl&uuml;cklicherweise auch die gro&szlig;en Schirme, sowie Tische und St&uuml;hle des Caf\u00c3\u00a9s nutzen, um unser Equipment gesch&uuml;tzt aufbauen zu k&ouml;nnen. An einem Bauzaun wurde eine Leinwand installiert und alle anwesenden VJs konnten ihre Laptops und Mixer mit dem mitgebrachten Beamer verbinden und spontan ihren Mix pr&auml;sentieren. Mit dabei waren die Visualisten fRED, HilmiKillme, Leinwandler, AKAH74, Kiritan Flux, fAlk und Syntax Error. Die Musik wurde von MoGreens von den Kulturtaikonauten aus Kleinmachnow aus seinem Transporter geliefert. Insgesamt war die Aktion trotz schlechtem Wetters am&uuml;sant und wurde positiv aufgenommen. Da Kiritan Flux am selben Nachmittag das VJ Battle im Babylon besucht hatte und dort mit den Teilnehmern diskutierte, Flyer f&uuml;r die Bermudavisualisten Veranstaltung verteilte und Kontakte kn&uuml;pfte, kamen auch einige der Battle Teilnehmer abends nach drau&szlig;en um sich unsere Protestaktion anzusehen und um mit uns zu plaudern.<\/p>\n<p>Gegen Mitternacht zogen alle Teilnehmenden zur Zentralen Randlage am Senefelder Platz um sich dort aufzuw&auml;rmen und den Abend geb&uuml;hrend weiterzufeiern. Bei Musik von DJ Carlo von lynX, den Elektromods und dem Live Set von Konsensrecords wurde ein kooperativer Laptopjam durchgef&uuml;hrt, bei dem sich im Laufe der Nacht mehr und mehr VJs abwechselten, teilweise sogar Visualisten aus dem INFRAME Battle, die mit unserer Aktion sympathisierten.<\/p>\n<p>Obwohl die Party in der Zentralen Randlage gegen 3:00 von der Polizei wegen Ruhest&ouml;rung aufgel&ouml;st werden musste, kamen viele tanzw&uuml;tige G&auml;ste und feierten mit uns. Angesichts der Tatsache, dass w&auml;hrend der drei Tage INFRAME nur insgesamt vielleicht 20 G&auml;ste als Zuschauer dort waren, kann man die Bermudavisualisten Aktion als einen vollen Erfolg verbuchen.<\/p>\n<p>Diese spontane Gegenveranstaltung bewies uns, dass VJs in Berlin auch kooperativ zusammenarbeiten k&ouml;nnen und dass darin gro&szlig;es Potential schlummert. Neben dem VJ Stammtisch verhalf uns die Bermudavisualisten Veranstaltung zu dem Entschluss, einen berliner Verein f&uuml;r Videokunst zu gr&uuml;nden und das gemeinsame Potential auszusch&ouml;pfen.<\/p>\n<p>Aus der internationalen VJ-Szene erwachsen neben den kommerziellen Marketing-Events Veranstaltungen wie AVit, das ContactEurope Festival oderdie EqualEyes Conference. Sie werden von Videok&uuml;nstlern selbst organisiert und dienen dem gegenseitigen Austausch, der Verbreitung und Pr&auml;sentation der eigenen Kunst in der &Ouml;ffentlichkeit und der gegenseitigen Inspiration.<\/p>\n<p>VISUAL BERLIN sieht sich in dieser Tradition und m&ouml;chte sich als ein weiterer Knotenpunkt der weltweiten VJ Kultur etablieren und seinen Teil dazu beitragen.<\/p>\n<p>Vielen Dank an alle die da waren, insbesondere an fRED, Inga, Kiritan Flux, MoGreens, fAlk, Leinwandler, Pixel Royal, Carlo von lynX, Martin &amp; Phillipp (Elektromods), Peter &amp; Lenard (Konsens), Egoshooter, Ren\u00c3\u00a9e (Zentrale Randlage), Hilmi, Nicolas Bourbaki, Aron, Mediamash, Kapitan Fracasse, Impulskontrolle, Devon Miles, VCap (Superpositioners), Danke an die Polizei f&uuml;r die praktische Umsetzung der Redensart &#8218;Man soll gehen wenn&#8217;s am sch&ouml;nsten ist.&#8216; Gratulation an die Gewinner des Inframe Battles, Alex et Jeremy, Gr&uuml;&szlig;e an alle anderen tapferen Inframe Kombattanten: Schneeweisschen &amp; Rosenrot, Tofa, Neon Golden, moccu, E-Gruppe, Pfadfinderei, FMMF, Visuarte, Cinemata, Superonda<\/p>\n<p>Zeitplan:<\/p>\n<p>20:00 &#8211; 00:00 &#8211; Guerilla Beaming vor dem Kino Babylon<br \/>\n00:00 &#8211; 04:00 &#8211; After Party in der Zentralen Randlage<\/p>\n<p>Musikprogramm:<\/p>\n<p>20:00 &#8211; 00:00 &#8211; MoGreens<br \/>\n00:00 &#8211; 01:30 &#8211; Carlo von LynX<br \/>\n01:30 &#8211; 02:30 &#8211; Konsensrecords<br \/>\n02:30 &#8211; 03:30 &#8211; Elektromods<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image74\" src=\"http:\/\/www.visualberlin.org\/images\/PICT2255.jpg\" alt=\"PICT2255.jpg\" height=\"96\" width=\"128\" \/><br \/>\n&#8222;BermudaVisualisten&#8220; war ein spontan bei Kunst und Forum von berliner Visualisten organisierter Side-Event \/ Gegenveranstaltung zum INFRAME International VJ Battle, das vom 29.09. &#8211; 01.10.2005 im Kino Babylon stattfand.<\/p>\n<p>Das wahre Wesen -::- Live-Videokunst &#8211; Underground Treffen der VideoJunkies<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-75","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=75"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/75\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=75"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=75"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=75"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}