{"id":662,"date":"2009-03-06T11:12:43","date_gmt":"2009-03-06T10:12:43","guid":{"rendered":"http:\/\/visualberlin.org\/?p=662"},"modified":"2009-03-06T11:12:43","modified_gmt":"2009-03-06T10:12:43","slug":"guter-vj-schlechter-vj","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/visualberlin.org\/?p=662","title":{"rendered":"Guter VJ, schlechter VJ &#8211; das ewige Thema"},"content":{"rendered":"<p><small>(dieser artikel liegt bei mir schon ewig in der warteschleife und wird jetzt endlich mal rausgehauen)<\/small><\/p>\n<p>Die Frage wann ein VJ &#8218;gut&#8216; oder &#8217;nicht so gut&#8216; ist wurde schon unz\u00e4hlige Male unter Kollegen am Kneipentresen und auf vielen VJ-Festivals diskutiert und meist ger\u00e4t man in endlose Diskussionsschleifen \u00fcber \u00c4sthetik und technisches Know-How. Einen gemeinsamen Nenner zu finden ist h\u00e4uftig schwierig, denn trotz der grenzenlosen technischen Gesichtspunkte bleibt die Diskussion \u00fcber das VJing letztendlich eine Diskussion \u00fcber Kunst und diese scheitert in der Regel an dem Punkt dar\u00fcber objektiv urteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei <a title=\"vjcentral.de\" href=\"http:\/\/vjcentral.de\" target=\"_blank\">vjcentral.de<\/a>, der erfreulicherweise mittlerweile wieder sehr aktiven Plattform der deutschsprachigen VJ-Szene, existiert seit 2007 ein nicht totzukriegender <a title=\"vjcentral.de\" href=\"http:\/\/www.vjcentral.de\/topic.php?tid=141\" target=\"_blank\">Diskussionsthread<\/a>, der sich genau dieser Frage widmet und eine Zusammenfassung dar\u00fcber ist schon l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.benjaminjantzen.de\/\" target=\"_blank\">Pixelschubser<\/a> versucht, die Qualit\u00e4ten eines VJs an der Nachvollziehbarkeit und Finesse der Umsetzung seines VJ-Sets festzumachen und bezieht sich dabei auf Aussagen von Paul Spinrad, dem Autor des VJ-Books. Er zieht einen Hierarchiebogen vom DVD rippenden und Internet-Clip sammelnden Sample-VJ \u00fcber den kreativen VJ, der eigenes Material filmt und am Rechner produziert bis hin zum genialen VJ-Nerd, der seine eigene Soft- und Hardware bastelt. Pixelschubser&#8217;s Qualit\u00e4tsma\u00dfstab ist Neugier &#8211; wenn er sich bei der Betrachtung eines VJ-Sets fragt, wie zum Teufel das gemacht wurde, dann bedeutet es f\u00fcr ihn Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.vjsaw.com\/\" target=\"_blank\">VJSAW<\/a> h\u00e4lt diesen Ma\u00dfstab f\u00fcr unzureichend und h\u00e4lt dagegen, dass ein guter Musiker ja auch nicht nur gut ist, wenn er sein eigenes Instrument bauen kann, sondern was am Ende dabei rauskommt. F\u00fcr VJSAW ist die Qualit\u00e4t eher eine emotionale Reaktion des Betrachters &#8211; &#8222;weg geflasht sein&#8220; von dem was man sieht bedeutet Qualit\u00e4t. Er r\u00e4umt jedoch ein, dass man bei der ganzen Diskussion festhalten sollte, auf welcher Ebene man hier \u00fcber Kunst redet. Seiner Meinung nach h\u00e4tte diese im Club-Kontext genauso wenig verloren wie Free Jazz auf einer Schlagerparty.<\/p>\n<p>Ratman wirft ein, dass allein die Betrachtung von Technik und Individualit\u00e4t der Inhalte auch nicht der Frage nach Qualit\u00e4t gerecht werden, sondern allein das Ergebnis. Als Beispiel nennt er Chris Cunningham&#8217;s genialen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sxchw646zs4\" target=\"_blank\">Star Wars Remix<\/a>, bei dem weder Inhalt, noch Technik besonders innovativ waren, das Ergebnis aber trotzdem sehr respektabel ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/schallbild.de\/\" target=\"_blank\">Stadkind<\/a> schlie\u00dft sich mit der Aussage an, dass der eigene Style am wichtigsten sei. Das Ziel sollte sein, dass sich die Besucher nach einer Veranstaltung positiv an das VJ-Set oder die positive Ausstrahlung der visuellen Atmosph\u00e4re erinnern. Als Seitenhieb zu Pixelschubsers anf\u00e4nglich ge\u00e4u\u00dferten technokratischen Hierarchie stellt er fest, dass ein B\u00e4cker auch nicht dann gut sei, wenn er seinen eigenen Ofen baue.<\/p>\n<p>Ein VJ Neuling und ehemaliger Lightjockey schaltet sich in die Diskussion ein und stellt fest, dass ihm die Reaktionen und das positive Feedback seitens der feiernden Besucher am wichtigsten sei &#8211; woraufhin movebandit sich zu der Aussage hinrei\u00dfen l\u00e4sst, dass man nicht einfach alle VJs \u00fcber einen Kamm scheren k\u00f6nne, da es ganz klar zwei Richtungen gebe: den &#8222;K\u00fcnstler-Typ&#8220; und den &#8222;Unterhalter-Typ&#8220;, die man in der Qualit\u00e4tsbetrachtung unterscheiden m\u00fcsse. Dieses Statement trifft auf allgemeine Zustimmung.<\/p>\n<p><a title=\"MySpace Link\" href=\"http:\/\/www.myspace.com\/dertitcher\" target=\"_blank\">Titcher<\/a> und Ratman diskutieren \u00fcber die Frage, ob solch eine Kategorisierung \u00fcberhaupt sinnvoll ist. Titcher meint, solange man sich als VJ immer weiterentwickeln m\u00f6chte und es immer etwas gibt, was man besser machen k\u00f6nne, sei man gut. So bald man mit sich rundum zufrieden sei, wechsle man zum VJ Typ &#8222;Unterhalter&#8220; und entwickle sich nicht weiter. Ratman h\u00e4lt Kategorisierungen f\u00fcr unsinnig und findet es m\u00fc\u00dfig dar\u00fcber zu streiten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.7dex.de\/\" target=\"_blank\">Yochee<\/a> greift den Diskussionsfaden auf und findet, man m\u00fcsse den Spagat schaffen, sich mit der eigenen Arbeit zu identifizieren und sich treu zu bleiben und gleichzeitig der Masse zu gefallen, f\u00fcr die man ja schlie\u00dftlich die Visuals pr\u00e4sentiert. Er schlie\u00dft mit einem Zitat Picassos:<\/p>\n<p>&#8222;<em>Seit die Kunst nicht mehr die Nahrung der Besten ist, kann der K\u00fcnstler seine Talente f\u00fcr alle Wandlungen und Launen seiner Phantasie verwenden. Alle Wege stehen einem intellektuellen Scharlatanismus offen. Das Volk findet in der Kunst weder Trost noch Erhebung. Aber die Raffinierten, die Reichen, die Nichtstuer und die Effekthascher suchen in ihr Neuheit, Seltsamkeit, Originalit\u00e4t, Verstiegenheit und Anst\u00f6\u00dfigkeit. Seit dem Kubismus, ja schon fr\u00fcher, habe ich selbst alle diese Kritiker mit zahllosen Scherzen zufriedengestellt, die mir einfielen und die sie um so mehr bewunderten, je weniger sie ihnen verst\u00e4ndlich waren. Durch diese Spielereien, diese R\u00e4tsel und Arabesken habe ich mich schnell ber\u00fchmt gemacht. Und der Ruhm bedeutet f\u00fcr den K\u00fcnstler: Verkauf, Verm\u00f6gen, Reichtum. Ich bin heute nicht nur ber\u00fchmt, sondern auch reich. Wenn ich aber allein mit mir bin, kann ich mich nicht als K\u00fcnstler betrachten im gro\u00dfen Sinne des Wortes. Gro\u00dfe Maler waren Giotto, Tizian, Rembrandt und Goya. Ich bin nur ein Spa\u00dfmacher, der seine Zeit verstanden hat und alles, was er konnte, herausgeholt hat aus der Dummheit, der L\u00fcsternheit und Eitelkeit seiner Zeitgenossen.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>nonsleep hat vor ein paar Tagen den Thread wiederbelebt und meint dazu, dass es ihm immer wichtig gewesen sei, dass seine Visuals &#8222;tanzbar&#8220; sind und f\u00fcr ihn ein VJ dann &#8218;gut&#8216; ist, wenn dieser die Stimmung auff\u00e4ngt, wiederspiegelt und in die H\u00f6he treibt. Wenn er ein Gef\u00fchl f\u00fcr Bildharmonie und Rythmus hat&#8230;das Ganze eben ein Gesamtes gibt.<\/p>\n<p>Den Thread gibt es <a title=\"vjcentral.de\" href=\"http:\/\/www.vjcentral.de\/topic.php?tid=141\" target=\"_blank\">hier bei vjcentral.de<\/a><\/p>\n<p>Die Frage nach der Qualit\u00e4tsbewertung eines VJs wird warscheinlich nie klar beantwortet werden k\u00f6nnen und immer ein subjektives Thema bleiben, jedoch lohnt es sich, dar\u00fcber weiter zu diskutieren und die Diversit\u00e4t der Aussagen als Gesamtergebnis zu betrachten. Kunst bleibt Kunst und ebenso die Frage ob und in wie weit VJing \u00fcberhaupt Kunst ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(dieser artikel liegt bei mir schon ewig in der warteschleife und wird jetzt endlich mal rausgehauen) Die Frage wann ein VJ &#8218;gut&#8216; oder &#8217;nicht so gut&#8216; ist wurde schon unz\u00e4hlige Male unter Kollegen am Kneipentresen und auf vielen VJ-Festivals diskutiert&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[304,468,656,661],"class_list":["post-662","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news","tag-kunst","tag-qualitat","tag-vjcentralde","tag-vjing"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=662"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/662\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/visualberlin.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}