{"id":252,"date":"2008-02-04T13:52:22","date_gmt":"2008-02-04T11:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.visualberlin.org\/news\/transmediale-awards-08\/"},"modified":"2008-02-04T13:52:22","modified_gmt":"2008-02-04T11:52:22","slug":"transmediale-awards-08","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/visualberlin.org\/?p=252","title":{"rendered":"Transmediale Awards &#039;08"},"content":{"rendered":"<p>(<a href=\"http:\/\/www.art-magazin.de\/\">art-magazin<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.transmediale.de\/site\/de\/award\/nominees\/?tx_mintnewspressproj_pi1%5BrecNum%5D=0&#038;tx_mintnewspressproj_pi1%5Bdetail%5D=0&#038;cHash=50f73e9660\">transmediale<\/a> news mashup)<\/p>\n<p>Im Rahmen des Festivals &#8222;Transmediale.08&#8220; wurden gestern die &#8222;Transmediale Awards&#8220; und der &#8222;Transmediale Vil\u00e9m Flusser Theory Award&#8220; verliehen.<\/p>\n<p>Gewinner des ersten Preises sind <a href=\"http:\/\/www.speculativearchive.org\/\">Julia Meltzer und David Thorne<\/a> aus den USA. Ihre Videoarbeit \u201c<a href=\"http:\/\/www.vdb.org\/smackn.acgi$tapedetail?NOTAMATTER\">Not a Matter of if but When<\/a>\u201d<\/p>\n<p>\u201aNot a Matter of If but When\u2019, 2005 bis 2006 in Damaskus in Zusammenarbeit mit dem syrischen T\u00e4nzer, Performancek\u00fcnstler und Filmemacher Rami Farah entwickelt, ist ein Versuch, Wortbedeutungen zu finden in einer Zeit, in der das Vokabular entleert erscheint: Welchen Sinn machen heute Begriffe und Konzepte wie Krieg, Frieden, Religion, Gerechtigkeit, Kampf und Freiheit? Obwohl Farahs Improvisationen fest innerhalb der politischen Situation Syriens verankert sind, welche nach einigen sehr turbulenten Jahren von Angst und Unsicherheit durchdrungen ist, reichen sie doch auch \u00fcber seinen eigenen lokalen und nationalen Kontext hinaus. Farah schafft es, die Rhetorik der Angst und eines drohenden Unheils zu artikulieren, und zugleich eine vorsichtige Hoffnung auszudr\u00fccken. Sein Umgang mit Ironie als Ventil, als eine witzige Entlastung, fungiert als \u00dcberlebensstrategie und Selbst-Relativierung. Obwohl die Nahaufnahmen im Portr\u00e4tformat von einer tr\u00fcgerischen Einfachheit sind, ist es sehr beeindruckend, wie der K\u00f6rper des Darstellers die Rollen wechselt vom Machtaus\u00fcbenden zum Unterdr\u00fcckten und letztlich zeigt, dass die Grenzen offen, unklar und unberechenbar sind. \u201aNot a Matter of If but When\u2019 ist ein zeitgem\u00e4\u00dfes Portr\u00e4t, welches das wachsende Gef\u00fchl eines Unbehagens mit einer au\u00dfer Kontrolle geratenen Welt zeigt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.speculativearchive.org\/images\/download\/thumb\/nota1.jpg\" width=\"181\" alt=\"\" \/><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.speculativearchive.org\/images\/download\/thumb\/nota2.jpg\" width=\"181\" alt=\"\" \/><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.speculativearchive.org\/images\/download\/thumb\/nota3.jpg\" width=\"181\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Der zweite Preis (2500 Euro) ging an das \u00f6sterreichische Duo \u201c<a href=\"http:\/\/www.ubermorgen.com\/\">\u00dcbermorgen.com<\/a>\u201d sowie an die Italiener Paolo Cirio und Alessandro Ludovico f\u00fcr deren gemeinsames Webprojekt \u201c<a href=\"http:\/\/amazon-noir.com\/\">Amazon Noir \u2013 The Big Book Crime<\/a>\u201d.<\/p>\n<p>\u201aAmazon Noir\u2019 ist ein poetisches, mediales Statement, das zugleich Antworten gibt als auch neue Fragen aufwirft. Offensichtlich verweist es auf die Debatte um intellektuelles Eigentum und Anti-Copyright Kampagnen, indem es das Copyright bewusst verletzt: die \u201aAmazon Noir\u2019-Crew stahl urheberrechtsgesch\u00fctzte B\u00fccher bei Amazon.com, indem sie die \u201aSearch Inside\u2019-Funktion des Internet-Buchh\u00e4ndlers ausnutzte. Mit ihrer Aktion und der dazugeh\u00f6rigen Installation (re-)materialisiert \u201aAmazon Noir\u2019 metaphorisch und physisch das, was gestohlen wurde. Mit der Entwicklung eines Hacks in das System des gr\u00f6\u00dften Online-Buchh\u00e4ndlers kn\u00fcpft \u201aAmazon Noir\u2019 an wichtige k\u00fcnstlerisch-aktivistische Projekte der vergangenen Jahre an, unter anderem \u201awalser.php\u2019 von textz.com. Humor und eine an der Grenze zum Sarkasmus stehende Konspiration gehen hier jedoch noch einen Schritt weiter \u2013 das Projekt wird zu einer Art Streich, und man fragt sich, was hinter den Kulissen wirklich geschah, ob beispielsweise die Technologie tats\u00e4chlich umgesetzt worden ist. Der parodistische Charakter des Projektes, bei dem geistiger Diebstahl, \u00dcberproduktion, Selbstironie und Mehrdeutigkeit als Taktiken eingesetzt werden, ist ohne Zweifel auch ein Statement zu den \u00dcberlebensstrategien der Medienkunst, zu ihrem Handlungsspielraum in der Aufmerksamkeits\u00f6konomie der Kunst.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/amazon-noir.com\/img\/home.gif\" width=\"544\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Den dritten Preis (1500 Euro) bekam <a href=\"http:\/\/www.yugo.at\/equilibre\/\">Gordan Savicic<\/a> aus Wien.<\/p>\n<p>\u201aConstraint City\u2019 ist eine kritische Performance, die im urbanen Raum stattfindet. Man legt ein Korsett an, das mit motorbetriebenen Zugriemen und einer wifi-f\u00e4higen, tragbaren Spielkonsole ausgestattet ist. Die Motoren straffen die Riemen, wenn ein verschl\u00fcsseltes Wlan-Netz entdeckt wird, so dass das Korsett je nach Signalst\u00e4rke immer enger wird und auf dem K\u00f6rper des Tr\u00e4gers zunehmend Spuren hinterl\u00e4sst. \u201aConstraint City\u2019 ist ein sarkastischer Beitrag zu  Diskussion um \u201awearable und locative Media\u2019. Daneben verortet es sein Autor zu Recht in der Tradition der Psychogeographie (oder, in seiner Version, der \u201aSchizogeographie\u2019), des Philosophierens um Lust und Schmerz und der Betrachtungen der \u201aFreiheiten\u2019 des Alltags. Die technische Notwendigkeit, das Korsett auf nacktem Oberk\u00f6rper zu tragen, f\u00fcgt eine unerwartete geschlechtliche Dimension hinzu. Das Objekt selbst f\u00fchrt ein neues Genre ein \u2013 eine Mischung aus Modegegenstand, High-Tech und Low-Tech, Selbsterfahrung, Sexspielzeug, Computerspiel und tragbarem Medium \u2013 zusammengewoben aus der Verbindung zu st\u00e4dtischer Architektur und Netzwerken sowie allt\u00e4glichen Handlungen und Gewohnheiten. Durch die neugierige Auseinandersetzung und die Vermischung aktivistischer und konsumistischer Bedeutungsebenen mit physischem Schmerz evoziert das Projekt eine gro\u00dfe Zahl von emotionalen Antworten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.yugo.at\/equilibre\/wp-content\/uploads\/web_berlin_walk.jpg\" width=\"544\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Zum ersten Mal wurde auch der &#8222;Transmediale Vil\u00e9m Flusser Theory Award&#8220; f\u00fcr ein konzeptuelles Werk verliehen. Ihn erhielt <a href=\"http:\/\/www.transmediale.de\/site\/award\/vilem-flusser-award\/?tx_mintnewspressproj_pi1%5BrecNum%5D=2&#038;tx_mintnewspressproj_pi1%5Bdetail%5D=1&#038;cHash=087cb4f2a3\">Simon Yuill<\/a> aus Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p><strong>Simon Yuill (uk): All problems of notation will be solved by the masses: Free Open Form Performance, Free\/Libre Open Source Software, and Distributive Practice (2008)<\/strong><\/p>\n<p>Simon Yuills Text verschr\u00e4nkt Geschichten k\u00fcnstlerischer Praxis und experimenteller Projekte &#8211; wie die des Scratch Orchestra, der Black Artists&#8216; Group, hacklabs, livecoding und Logo Labs, sowie die Geschichte von UNIX and FLOSS &#8211; miteinander, um Auswege aus dem gegenw\u00e4rtigen Dilemma der &#8218;Kapitalisierung der Kreativit\u00e4t&#8216; und dem Druck zur st\u00e4ndigen \u00f6konomischen Verwertbarkeit von Praktiken aufzuzeigen, deren Ziel es eigentlich war, Alternativen zu den kapitalistischen Systemen von Eigentum, Macht und Legitimation aufzubauen. Der kommerzielle Erfolg von FLOSS Produktionsmodellen und ihre &#8218;freudige&#8216; Eingliederung in zeitgen\u00f6ssiche Formen digitaler \u00d6konomie, die einher geht mit der Kapitalisierung von Kommunikation, Zugriff und Kreation, ergibt ein monotones Bild der &#8218;totalen&#8216; Vereinnahmung. Es wird meist durch einen Filter aus Begriffen des autonomen Marxismus und verschiedener disziplinarischer Kategorien &#8211; insbesondere \u00d6konomie und Gesetz &#8211; betrachtet.<\/p>\n<p>Yuill dagegen schl\u00e4gt eine kulturkritische Herangehensweise an diese dr\u00e4ngende Problematik vor. Sein zentrales Anliegen erstreckt sich von der Lesart von Liveauftritten, des Unvorhergesehenen, von kollaborativen und distributiven Praktiken bis hin zum Verst\u00e4ndnis der Produktion und Politik von Richtlinien, welche eine Basis f\u00fcr sich abzeichnende Parallelen zwischen Open Source Modellen in der Softwareproduktion und experimentellen Modellen in der Kunstpraxis herstellen. Yuills tiefgr\u00fcndige Untersuchung antwortet deterministischen Projekten mit k\u00fcnstlerischer Eleganz. Er konzentriert sich auf Experimente mit Improvisation, &#8218;L\u00e4rm&#8216; und Kollektivit\u00e4t, um die Alternativen an der Schnittstelle von Kunst, Open Source-Prinzipien, ihren Vorschriften und ihrem Wandel auszubreiten.<\/p>\n<p>Insgesamt hatten sich 1117 Medienschaffende aus 57 L\u00e4ndern beworben. Das Festival ging gestern zu Ende, die dazu geh\u00f6rende Ausstellung \u201cConspire\u201d im Haus der Kulturen der Welt ist bis zum 24. Februar ge\u00f6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(art-magazin und transmediale news mashup) Im Rahmen des Festivals &#8222;Transmediale.08&#8220; wurden gestern die &#8222;Transmediale Awards&#8220; und der &#8222;Transmediale Vil\u00e9m Flusser Theory Award&#8220; verliehen. Gewinner des ersten Preises sind Julia Meltzer und David Thorne aus den USA. 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